Makros
α-Linolensäure (ω-3)
α-Linolensäure ist die zweite Fettsäure, die dein Körper nicht selbst herstellen kann — und im Gegensatz zur Linolsäure ist sie nicht nebenbei gedeckt. Sonnenblumen-, Oliven- und Maiskeimöl liefern nahezu nichts davon. Es braucht Raps- oder Leinöl, Walnüsse, Leinsamen oder Chia. Bei keinem anderen Wert hier hängt so viel an einer einzigen Küchenentscheidung, die nichts kostet: dasselbe Öl in derselben Menge, nur eine andere Flasche. Was darüber hinaus gilt, sollten wir ehrlich einordnen. In Studien mit 632.772 Menschen lag die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit bei höherer Zufuhr um 10 Prozent niedriger, und ein zusätzliches Gramm am Tag — etwa sieben Walnüsse — entsprach 5 Prozent niedrigerer Gesamtsterblichkeit. Aber: Als dieselben Forscher statt der Fragebögen die Fettsäuren im Blut maßen, war der Zusammenhang verschwunden. Das spricht dafür, dass ein Teil davon an dem hängt, was man mit Walnüssen und Rapsöl zusammen isst, und nicht an der Fettsäure selbst. Und noch eine Sache, die oft falsch verstanden wird: Diese Zeile ersetzt die Omega-3-Zeile darunter nicht. Weniger als 8 Prozent werden im Körper zu EPA umgebaut und weniger als 4 Prozent zu DHA. Wer keinen fetten Seefisch isst, deckt die auch mit viel Leinöl nicht ab.
Der Referenzwert
1,3 g Zufuhr je Tag aus Essen und Präparaten zusammen, entspricht 0,5 bis rund 1,5 Energieprozent bei 2.400 kcal Deutsche Gesellschaft für Ernährung 2015
Richtwert für die unentbehrliche Fettsäure nach D-A-CH / DGE, Erwachsene. Die DGE nennt 0,5 Prozent der Energiezufuhr. Bei 2.400 kcal sind das 12 kcal und damit 1,3 g — der Wert der App stimmt exakt. Der Unterschied zur Linolsäure liegt nicht in der Art der Zahl, sondern in der Versorgungslage: Dieselbe Art von Mindestwert ist hier nicht nebenbei gedeckt. Es braucht Lein, Raps, Walnuss oder Chia; ein Esslöffel Sonnenblumenöl liefert nahezu nichts davon.
Wo der Wert langfristig liegen sollte
1,3 bis 4 g
Die Untergrenze ist der DGE-Wert und beantwortet die Mangelfrage. Die Obergrenze folgt der Dosis-Wirkungs-Beziehung aus den Kohortendaten, in denen der Zusammenhang zur Herz-Kreislauf-Sterblichkeit über den Referenzwert hinaus linear weiterlief: je 0,5 Energieprozent mehr rund 5 Prozent niedrigere Herz-Kreislauf-Sterblichkeit. Warum trotzdem die niedrigste Sicherheitsstufe? Weil dieselbe Auswertung einen Befund enthält, der die einfache Lesart untergräbt — bei den gemessenen Blutspiegeln zeigte sich nichts. Ein Esslöffel Leinöl deckt die Spanne übrigens allein. Diese Fettsäure hat zwei Rollen, die nicht zusammenfallen. Sie ist unentbehrlich, weil der Körper sie nicht bilden kann — das begründet den Mindestwert. Und sie ist der pflanzliche Vorläufer von EPA und DHA — das begründet ihren Ruf. Die zweite Rolle trägt weniger weit, als meist angenommen: Weniger als 8 Prozent der α-Linolensäure werden zu EPA umgebaut und weniger als 4 Prozent zu DHA, weil das erste Enzym der Kette der Engpass ist. Wer EPA und DHA will, deckt sie über die eigene Speiche und nicht über diese.
Marken
- Nach unten eng unter 1,3 g entspricht 0,5 Energieprozent bei 2.400 kcal
Der DGE-Wert und die Grenze zur echten Unterversorgung. Anders als bei der Linolsäure ist diese Schwelle in gemischter Kost tatsächlich erreichbar: Wer weder Raps- noch Leinöl verwendet, keine Walnüsse isst und keine Leinsamen nimmt, kommt kaum darüber. Die üblichen Küchenöle — Sonnenblume, Distel, Mais, Olive — liefern nahezu nichts. Deutsche Gesellschaft für Ernährung 2015
- Höchstmenge ab 27 g gemeinsam mit allen übrigen mehrfach ungesättigten Fettsäuren, 10 Energieprozent bei 2.400 kcal
Keine eigene Obergrenze; die α-Linolensäure teilt sich die der ganzen Gruppe. In der Praxis wird sie über diesen Weg nie erreicht — die Mengen, um die es hier geht, liegen eine Größenordnung darunter. Deutsche Gesellschaft für Ernährung 2015
Die Wirkung — was die Studien sagen
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schützendmehrere Beobachtungen
Der belastbarste Zusammenhang dieses Eintrags: 20 Arbeiten mit 17 Kohorten und 632.772 Teilnehmern, 16.706 Todesfälle an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Beim Vergleich der höchsten mit der niedrigsten Zufuhr lag das relative Risiko bei 0,90 (0,83–0,98), und die Dosis-Wirkungs-Beziehung war linear: je 0,5 Energieprozent mehr rund 5 Prozent weniger. Eine zweite Metaanalyse rechnet dasselbe in Portionen um — 1 g zusätzlich je Tag, etwa sieben Walnüsse, entsprach 5 Prozent niedrigerer Gesamtsterblichkeit. Frontiers in Nutrition 2021 BMJ 2021
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kein Belegmehrere Beobachtungen
Der Befund, der diesen Eintrag von der Linolsäure trennt, und er ist unbequem. Dieselbe Metaanalyse hat neben der erfragten Zufuhr auch die gemessenen Blut- und Gewebespiegel ausgewertet — 17 Arbeiten, 32.368 Teilnehmer. Ergebnis: Gesamtsterblichkeit 0,99 (0,96–1,01), Herz-Kreislauf-Sterblichkeit 1,00 (0,98–1,03). Beide Male nichts. Bei der Linolsäure war es umgekehrt: Dort trug der Blutwert den Befund mit. Hier trägt ihn nur der Fragebogen, und das legt nahe, dass ein Teil des Zusammenhangs an dem hängt, was mit α-Linolensäure zusammen gegessen wird — Nüsse, Rapsöl, pflanzenbetonte Kost —, und nicht an der Fettsäure selbst. Frontiers in Nutrition 2021
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unklarschwacher Beleg
Zwei Metaanalysen, zwei leicht verschiedene Antworten. Die eine findet für die Gesamtsterblichkeit ein relatives Risiko von 0,93, das die statistische Bedeutsamkeit knapp verfehlt (0,86–1,01). Die andere berichtet 5 Prozent weniger je zusätzlichem Gramm täglich und höchstens rund 10 Prozent auch bei hoher Zufuhr. Die zitierten Fachleute ordnen selbst ein: Es sind Zusammenhänge, die nicht ursächlich sein müssen, die Effekte sind klein, und randomisierte Studien haben keinen Nutzen gezeigt. Frontiers in Nutrition 2021 BMJ 2021 Science Media Centre 2021
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begrenztmehrere Beobachtungen
Der Grund, warum diese Speiche die Omega-3-Speiche nicht ersetzt. Der Umbau zu den langkettigen Fettsäuren läuft über dieselbe Enzymkette wie bei der Linolsäure, und ihr erster Schritt ist der Engpass: Weniger als 8 Prozent der α-Linolensäure werden zu EPA, weniger als 4 Prozent zu DHA — und für DHA kommt hinzu, dass auch der Eintritt in den Leberstoffwechsel begrenzt. Wichtig für die Praxis ist ein zweiter Teil desselben Befundes: Die Umwandlungsrate hängt an den absoluten Mengen von α-Linolensäure und Linolsäure, nicht an ihrem Verhältnis. Auch von dieser Seite trägt die Verhältnisregel also nicht. The American Journal of Clinical Nutrition
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notwendigstarker Beleg
Die zweite der beiden Fettsäuren, die der Körper nicht selbst bilden kann — er kann keine Doppelbindung jenseits des neunten Kohlenstoffatoms setzen. Das begründet den Mindestwert unabhängig von allen Sterblichkeitsdaten und ist der Teil dieses Eintrags, an dem nichts strittig ist. Deutsche Gesellschaft für Ernährung 2015
Wo viel drinsteckt — die Vorschläge zum Nachlegen
- Leinöl — 53 g je 100 g · 5,3 g je Portion (1 EL (10 g))
Die mit Abstand reichste Quelle — ein Esslöffel deckt das Vierfache des Referenzwerts und die ganze Optimumspanne. Zugleich das empfindlichste Öl der Küche: drei Doppelbindungen machen es wertvoll und verderblich.
- Leinsamen, geschrotet — 22 g je 100 g · 4,4 g je Portion (2 EL (20 g))
Geschrotet, nicht ganz: Unversehrte Leinsamen passieren den Darm weitgehend unverdaut, und ihr Öl bleibt in der Schale.
- Chiasamen — 18 g je 100 g · 3,6 g je Portion (2 EL (20 g))
- Walnüsse — 9 g je 100 g · 2,7 g je Portion (eine Handvoll (30 g))
Die praktischste Umrechnung dieses Eintrags: Rund sieben Walnüsse entsprechen dem einen Gramm zusätzlicher α-Linolensäure, an dem in der Metaanalyse 5 Prozent niedrigere Gesamtsterblichkeit hingen.
- Rapsöl — 9 g je 100 g · 0,9 g je Portion (1 EL (10 g))
Das einzige verbreitete Alltagsöl mit nennenswertem Gehalt. Sonnenblumen-, Distel-, Mais- und Olivenöl liefern nahezu nichts — die Ölwahl entscheidet über diese Speiche mehr als jede andere Einzelentscheidung.
Quelle der Gehalte: FoodData Central
Die Regeln zum Zubereiten
- Sieben Walnüsse sind ein Gramm. — Die handlichste Übersetzung der Studienlage in eine Portion: Ein zusätzliches Gramm α-Linolensäure am Tag entspricht etwa sieben Walnüssen, und daran hingen in der Metaanalyse 5 Prozent niedrigere Gesamtsterblichkeit. Die Fachleute, die den Befund eingeordnet haben, betonen zugleich, dass der Effekt klein bleibt und auch bei hoher Zufuhr etwa 10 Prozent nicht übersteigt. Science Media Centre 2021
- Die Ölwahl entscheidet — Raps oder Lein, nicht Sonnenblume. — Rapsöl liefert 9 g je 100 g, Leinöl 53 g. Sonnenblumen-, Distel-, Mais- und Olivenöl liefern nahezu nichts. Bei keinem anderen Wert dieser Datei hängt so viel an einer einzigen Küchenentscheidung, die nichts kostet und nichts am Geschmack ändert — dasselbe Öl in derselben Menge, nur eine andere Flasche. Nährwerttabellen
- Auf die absoluten Mengen achten, nicht auf das Verhältnis. — Die Umwandlung von α-Linolensäure in EPA und DHA hängt an den absoluten Mengen von α-Linolensäure und Linolsäure in der Kost und nicht an ihrem Verhältnis zueinander — das wurde mit markierten Fettsäuren am Menschen gemessen. Damit fällt auch das letzte Argument für die Verhältnisregel weg: Wer mehr Omega-3 im Körper will, isst mehr Omega-3, statt Omega-6 zu streichen. The American Journal of Clinical Nutrition
- Diese Speiche ersetzt die Omega-3-Speiche nicht. — Weniger als 8 Prozent der α-Linolensäure werden zu EPA umgebaut und weniger als 4 Prozent zu DHA; das erste Enzym der Kette begrenzt, und für DHA kommt der Eintritt in den Leberstoffwechsel als zweiter Engpass dazu. Eine volle Speiche hier bedeutet deshalb nicht, dass die Zeile darunter gedeckt ist. Wer keinen fetten Seefisch isst, deckt EPA und DHA über Leinöl nicht mit. The American Journal of Clinical Nutrition
- Leinsamen schroten, Leinöl kühl und dunkel und kalt verwenden. — Ganze Leinsamen passieren den Darm weitgehend unverdaut — geschrotet oder gemahlen kommt das Öl heraus, dafür verdirbt das Schrot schneller. Leinöl gehört aus demselben Grund in den Kühlschrank und an den Salat statt in die Pfanne: Drei Doppelbindungen sind der Grund für seinen Wert und für seine Empfindlichkeit. Diese Regel steht als Erfahrungswissen und ist in dieser Datei mit keiner Studie hinterlegt.
Was daran offen ist
- Der auffälligste Befund dieses Eintrags ist ein Widerspruch innerhalb derselben Metaanalyse: Die erfragte Zufuhr zeigt einen Zusammenhang zur Herz-Kreislauf-Sterblichkeit, die gemessenen Blut- und Gewebespiegel zeigen keinen. Bei der Linolsäure ist es umgekehrt — dort trägt der Blutwert den Befund mit. Das legt nahe, dass ein Teil des Zusammenhangs hier an den Begleitstoffen hängt: Wer viel α-Linolensäure isst, isst Nüsse, Rapsöl und pflanzenbetonte Kost.
- Dieser Eintrag führt aus demselben Grund keinen Blutwert. Es liegt nicht daran, dass kein Blutwert existiert — er wurde an 32.368 Menschen gemessen. Er zeigte nur nichts.
- Die beiden Metaanalysen kommen bei der Gesamtsterblichkeit zu leicht verschiedenen Ergebnissen: einmal ein relatives Risiko von 0,93, das die Bedeutsamkeit knapp verfehlt, einmal 5 Prozent weniger je zusätzlichem Gramm. Beide sind Beobachtungsdaten, und die einordnenden Fachleute weisen darauf hin, dass randomisierte Studien keinen Nutzen gezeigt haben.
- Der Referenzwert von 0,5 Energieprozent ist eine Mindestmenge zur Vermeidung von Mangelerscheinungen, kein Optimum — dieselbe Art von Zahl wie bei der Linolsäure. Der Unterschied ist, dass sie hier tatsächlich unterschritten werden kann.
- Eine volle Speiche hier sagt nichts über EPA und DHA. Weniger als 8 Prozent werden zu EPA umgebaut und weniger als 4 Prozent zu DHA; die Umwandlung hängt zudem von Geschlecht, Erbanlagen und der übrigen Fettzufuhr ab und schwankt zwischen Menschen erheblich.
- Die Gehalte in Leinöl und geschroteten Leinsamen fallen mit der Lagerdauer, weil die drei Doppelbindungen oxidieren. Eine Nährwertdatenbank mit festen Werten bildet das nicht ab — bei diesem Wert stärker als bei den übrigen Fettsäuren.
Belege
- Evidenzbasierte Leitlinie — Fettzufuhr und Prävention ausgewählter ernährungsmitbedingter Krankheiten, 2. Version (2015)
- Dietary Intake and Biomarkers of α-Linolenic Acid and Mortality: A Meta-Analysis of Prospective Cohort Studies (2021)
- Dietary intake and biomarkers of alpha linolenic acid and risk of all cause, cardiovascular, and cancer mortality: systematic review and dose-response meta-analysis of cohort studies (2021)
- Expert reaction to systematic review and meta-analysis on consumption of dietary fatty acids (alpha linolenic acid) and risk of death (2021)
- Conversion of α-linolenic acid in humans is influenced by the absolute amounts of α-linolenic acid and linoleic acid in the diet and not by their ratio
- FoodData Central
Stand der Recherche: 2026-08-16