Makros

Kohlenhydrate

Bei Kohlenhydraten ist die Studienlage besser, als die öffentliche Diskussion vermuten lässt — sie gibt nur keiner der beiden Seiten recht. Eine Auswertung von 15.428 Menschen über 25 Jahre, ergänzt um Daten von 432.179 weiteren, findet eine U-Kurve mit dem tiefsten Punkt bei 50 bis 55 Prozent der Energie: Sehr wenig ist ungünstig, sehr viel auch. Der berühmte Gegenbefund der weltweiten PURE-Studie widerspricht dem bei genauem Hinsehen nicht — deren kohlenhydratreichste Gruppe lag bei über 74 Prozent, also weit rechts auf derselben Kurve. Wichtiger als die Menge sind zwei andere Dinge. Erstens, wodurch ersetzt wird: Kohlenhydrate zu senken und den Platz mit Fleisch und Butter zu füllen, ging mit höherer Sterblichkeit einher, denselben Platz mit Nüssen, Hülsenfrüchten und Ölen zu füllen mit niedrigerer. Zweitens die Form: Bis zu 90 Gramm Vollkorn am Tag senkten in 45 Studien mit 700.000 Menschen das Risiko für Herzkrankheiten deutlich — und der größte Gewinn liegt schon im ersten Schritt, von keinem Vollkorn auf zwei Portionen. Beides ändert an der Grammzahl hier oben nichts. Deshalb sagt diese Zahl weniger über deinen Tag aus als fast jede andere in dieser App.

Der Referenzwert

270 g Zufuhr je Tag aus Essen und Präparaten zusammen, bei 2.400 kcal — das entspricht 50 bis 55 Prozent der Energie Deutsche Gesellschaft für Ernährung

Richtwert. Herkunft: wie in dieser Anwendung hinterlegt. Die DGE nennt keinen Gramm-Wert, sondern einen Anteil: mehr als 50 Prozent der Energiezufuhr, abgeleitet im Jahr 2000. Die 270 g der App entsprechen bei der Referenzenergie von 2.400 kcal genau 45 Prozent und liegen damit unter dem Richtwert; 50 Prozent wären 300 g, 55 Prozent 330 g. Das ist der einzige Makro, bei dem der Referenzwert der App und der DGE-Richtwert in verschiedenen Einheiten stehen — und der Umrechnungsfehler fällt dadurch nicht auf.

Wo der Wert langfristig liegen sollte

300 bis 330 g

Ungewöhnlich für diese Datei: Behördenrichtwert und Sterblichkeitsdaten kommen unabhängig voneinander auf dieselbe Zahl. Die DGE leitet aus Stoffwechselüberlegungen mehr als 50 Energieprozent ab; eine Auswertung von 15.428 Erwachsenen über 25 Jahre, ergänzt um eine Metaanalyse über 432.179 Teilnehmer, findet die niedrigste Sterblichkeit bei 50 bis 55 Energieprozent — und zwar als U-Kurve, mit steigendem Risiko nach beiden Seiten. Wichtiger als die Spanne selbst ist aber, was dieselbe Auswertung über ihre Ränder sagt: Wer Kohlenhydrate durch tierisches Fett und Eiweiß ersetzte, hatte eine höhere Sterblichkeit; wer sie durch pflanzliche Quellen ersetzte, eine niedrigere. Die Menge entscheidet weniger als der Tausch. Der viel zitierte Widerspruch zwischen den beiden großen Untersuchungen ist bei genauem Hinsehen keiner. Die weltweite PURE-Studie fand hohe Kohlenhydratzufuhr ungünstig — ihr höchstes Fünftel lag aber bei 74 bis 81 Energieprozent, weit rechts auf derselben U-Kurve, und ihr niedrigstes Fünftel bei 43 bis 49 Prozent, also nahe deren Tiefpunkt. PURE hat den linken Ast der Kurve gar nicht erfasst. Dazu kommt, dass die Kohlenhydrate in den einkommensschwachen Ländern der Studie überwiegend raffiniert waren — weißer Reis als Hauptquelle. Beide Untersuchungen sagen dasselbe: Sehr viel ist schlecht, sehr wenig auch, und die Quelle zählt mehr als der Anteil.

Marken

Die Wirkung — was die Studien sagen

Woran es wirklich hängt

HbA1c (Langzeitblutzucker) in %

Günstig: 5 bis 5,6 %

Der Blutwert misst nicht die Kohlenhydratmenge, sondern was der Körper daraus macht — und genau das ist die Größe, an der die Endpunkte hängen. In einer Auswertung von Erwachsenen mit und ohne Diabetes lag die niedrigste Gesamtsterblichkeit bei einem HbA1c von 5,38 Prozent. Überraschend ist der linke Ast: Unterhalb von 5,0 Prozent stieg die Sterblichkeit wieder statistisch bedeutsam an. Auch hier also eine U-Kurve und kein „je niedriger, desto besser". Die Quelle nennt für Menschen ohne Diabetes eine optimale Spanne bis 6,5 Prozent; ab 5,7 Prozent gelten die Kriterien für einen Prädiabetes. Dieser Eintrag nimmt bewusst die strengere der beiden Zahlen — die Spannung zwischen ihnen bleibt bestehen und wird hier nicht aufgelöst. Und der Wert hängt an mehr als am Essen: an Bewegung, Schlaf, Körperfett und an der Lebensdauer der roten Blutkörperchen. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism 2019

Wo viel drinsteckt — die Vorschläge zum Nachlegen

Quelle der Gehalte: FoodData Central

In den Zeilen, mit denen Mikrolot rechnet

Die Regeln zum Zubereiten

Was daran offen ist

Belege

  1. Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr — Kohlenhydrate
  2. Dietary carbohydrate intake and mortality: a prospective cohort study and meta-analysis (2018)
  3. Associations of fats and carbohydrate intake with cardiovascular disease and mortality in 18 countries from five continents (PURE): a prospective cohort study (2017)
  4. Whole grain consumption and risk of cardiovascular disease, cancer, and all cause and cause specific mortality: systematic review and dose-response meta-analysis of prospective studies (2016)
  5. Glycemic Index, Glycemic Load, and Cardiovascular Disease and Mortality (2021)
  6. Glycated Hemoglobin and All-Cause and Cause-Specific Mortality Among Adults With and Without Diabetes (2019)
  7. FoodData Central

Stand der Recherche: 2026-08-16