Mineralstoffe

Natrium

Natrium ist der am heftigsten umstrittene Nährstoff der Ernährungswissenschaft — und trotzdem der mit dem klarsten Rat. Unstrittig ist: Salz hebt den Blutdruck, und Blutdruck ist weltweit die größte Einzelursache für vorzeitigen Tod. Umstritten war lange, ob es nach unten auch schädlich wird; die berühmte J-Kurve der PURE-Studie sah den besten Bereich bei 3 bis 5 g. Dazu gibt es inzwischen eine methodische Antwort: Die J-Kurve erscheint, wenn man die Tageszufuhr aus einer einzelnen Urinprobe hochrechnet, und verschwindet, wenn man tatsächlich über 24 Stunden sammelt. Der gute Bereich liegt zwischen 1.500 und 2.000 mg am Tag — das sind 4 bis 5 g Salz, etwa ein gestrichener Teelöffel. Der deutsche Durchschnitt liegt beim Doppelten. Praktisch wichtig: Drei Viertel davon kommen nicht aus dem Salzstreuer, sondern aus Brot, Wurst, Käse und Fertigem. Wer weniger Salz will, ändert den Einkauf, nicht das Würzen — und der Geschmackssinn gewöhnt sich in wenigen Wochen um.

Der Referenzwert

2300 mg Zufuhr je Tag aus Essen und Präparaten zusammen

Obergrenze nach US-amerikanische Ernährungsleitlinien; die App nutzt diesen Wert als Obergrenze. Bei Natrium gibt es keinen einheitlichen Wert, sondern eine Staffel — und die Wahl ist eine Haltungsfrage. Die DGE nennt 1.500 mg je Tag als Schätzwert. Die EFSA hat 2019 nach zehnjähriger Arbeit 2.000 mg als „sichere und angemessene Zufuhr" festgelegt und ausdrücklich keinen Bedarf und keine Empfehlung ableiten können. Die WHO empfiehlt unter 2.000 mg. Die amerikanische Herzgesellschaft nennt 1.500 mg als Idealwert und 2.300 mg als praktikable Obergrenze. Die 2.300 mg der App sind damit die großzügigste der gängigen Zahlen. Zur Umrechnung: 1 g Natrium entspricht 2,5 g Kochsalz — 2.000 mg Natrium sind also 5 g Salz, etwa ein gestrichener Teelöffel.

Wo der Wert langfristig liegen sollte

1500 bis 2000 mg

Natrium ist der am heftigsten umstrittene Nährstoff der Ernährungswissenschaft — und zugleich einer, bei dem die Kernaussage stabil ist. Unstrittig: Natrium hebt den Blutdruck, Blutdruck ist die weltweit größte Einzelursache für vorzeitigen Tod, und Salzreduktion senkt beides. Umstritten ist allein, ob es nach unten eine Gegenflanke gibt — die berühmte J-Kurve der PURE-Studie, die den günstigsten Bereich bei 3 bis 5 g Natrium sah. Dieser Streit hat inzwischen eine methodische Antwort, und sie ist für die Bewertung entscheidend: Die J-Kurve erscheint dort, wo die Natriumzufuhr aus Spontanurin hochgerechnet wird, und verschwindet, wo tatsächlich über 24 Stunden gesammelt wurde. Mit der Kawasaki-Formel geschätzte Werte machten aus einem linearen Zusammenhang eine J-Kurve. Die Spanne 1.500 bis 2.000 mg folgt deshalb den Behörden, nicht der PURE-Studie. Rund drei Viertel des Natriums stammen in westlicher Kost nicht aus dem Salzstreuer, sondern aus verarbeiteten Lebensmitteln — Brot ist in Deutschland die größte Einzelquelle, vor Wurst, Käse und Fertiggerichten. Wer weniger Salz will, ändert nicht das Würzen, sondern den Einkauf. Der Geschmackssinn passt sich innerhalb einiger Wochen an.

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Die Wirkung — was die Studien sagen

Woran es wirklich hängt

Natrium im 24-Stunden-Urin in mmol oder mg je 24 Stunden

Günstig: 1500 bis 2000 mmol oder mg je 24 Stunden

Der Goldstandard der Zufuhrmessung, weil praktisch alles aufgenommene Natrium wieder ausgeschieden wird. Wichtig für das Verständnis der ganzen Debatte: Aus einer einzelnen Spontanurinprobe lässt sich der Tageswert nicht zuverlässig hochrechnen, und genau dieser Fehler erzeugt die J-Kurve. Natrium im Serum sagt über die Zufuhr nichts. Es wird so eng geregelt, dass es bei jeder Zufuhr normal bleibt — es ist ein Wasserhaushaltsmarker, kein Ernährungsmarker. Hypertension (American Heart Association)

Wo am meisten drinsteckt

Quelle der Gehalte: Nährwerttabellen (Bundeslebensmittelschlüssel, DGE, USDA FoodData Central) (2026)

In den Zeilen, mit denen Mikrolot rechnet

Die Regeln zum Zubereiten

Was daran offen ist

Belege

  1. Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr — Natrium (2016)
  2. Dietary reference values for sodium (2019)
  3. Spot Urine Formulas to Estimate 24-Hour Urinary Sodium Excretion Alter the Dietary Sodium and Blood Pressure Relationship
  4. Further evidence that methods based on spot urine samples should not be used to examine sodium-disease relationships (2020)
  5. Urinary sodium excretion measures and health outcomes
  6. Effect of Salt Substitution on Cardiovascular Events and Death (SSaSS) (2021)
  7. Population Dietary Salt Reduction and the Risk of Cardiovascular Disease: A Commentary on Recent Evidence (2021)
  8. Evidenzmatrix für alle Krebsarten
  9. Nährwerttabellen (Bundeslebensmittelschlüssel, DGE, USDA FoodData Central) (2026)
  10. Saltiness enhancement in bread by inhomogeneous spatial distribution of sodium chloride (2010)
  11. Sodium Reduction in Canned Beans After Draining, Rinsing (2011)
  12. Long-term reduction in dietary sodium alters the taste of salt (1982)

Stand der Recherche: 2026-08-15