Mineralstoffe

Selen

Selen hat das schmalste Fenster der ganzen Liste. Nach unten braucht es rund 70 µg am Tag, nach oben ist bei etwa 110 µg die Sättigung erreicht: Das Transportprotein, an dem die Versorgung hängt, ist dann voll, und mehr Selen baut keine Funktion mehr auf. Was darüber passiert, ist gut untersucht und unangenehm — in einer randomisierten Studie bekamen gut versorgte Menschen, die zusätzlich 200 µg am Tag nahmen, fast dreimal so oft Typ-2-Diabetes. Selen als Krebsschutz, lange ein Verkaufsargument, ist an einer Studie mit über 35.000 Männern gescheitert. Für Europa gilt trotzdem eher die andere Richtung: Unsere Böden sind selenarm. Eine Warnung zu Paranüssen: Sie sind die stärkste Quelle und zugleich die unberechenbarste — zwischen zwei Nüssen aus derselben Tüte kann der Faktor acht liegen. Zwei am Tag sind eine Faustregel, keine Dosierung.

Der Referenzwert

70 µg Zufuhr je Tag aus Essen und Präparaten zusammen

Schätzwert für eine angemessene Zufuhr nach D-A-CH / DGE, Männer ab 19 Jahren. Nach Geschlecht: Männer 70 µg, Frauen 60 µg.

Wo der Wert langfristig liegen sollte

70 bis 110 µg

Selen hat das schmalste Fenster von allen — schmaler noch als Zink. Zwischen dem Bedarf von 70 µg und der Obergrenze von 255 µg liegt der Faktor 3,6, und die ungünstigen Befunde beginnen lange vor der Obergrenze: Ab einem Plasmaspiegel von etwa 122 µg/l fand die NPC-Studie bei zusätzlicher Selengabe ein fast dreifaches Diabetesrisiko. Nach oben ist dieser Eintrag also nicht durch eine Vergiftungsgrenze begrenzt, sondern durch einen Stoffwechselschaden weit darunter. Die biologisch sinnvolle Obergrenze ist die Sättigung: Selenoprotein P — das Transportprotein, an dem sich die Versorgung ablesen lässt — ist bei einer Zufuhr von etwa 100 bis 150 µg je Tag voll. Was darüber hinausgeht, baut keine Funktion mehr auf, sondern nur noch Spiegel. Die deutsche Besonderheit: Europäische Böden sind selenarm, amerikanische und chinesische Böden teils sehr selenreich. Deutsches Getreide liefert daher wenig, importierter Weizen mehr. Tierische Lebensmittel sind hierzulande die verlässlichere Quelle, weil Futtermittel in der EU mit Selen ergänzt werden dürfen. Paranüsse sind die stärkste pflanzliche Quelle und zugleich die unberechenbarste.

Marken

Die Wirkung — was die Studien sagen

Woran es wirklich hängt

Selen im Serum oder Plasma in µg/l

Günstig: 100 bis 130 µg/l

Der brauchbarste Marker dieser Datei nach dem Ferritin. Die Untergrenze folgt der Funktion: Unter 100 µg/l ist Selenoprotein P nicht gesättigt, die europäischen Schilddrüsen-Leitlinien nennen mindestens 100 µg/l als Voraussetzung für volle Selenoprotein-Aktivität. Die Obergrenze folgt dem Risiko: In der NPC-Studie stieg das Diabetesrisiko bei zusätzlicher Selengabe genau bei denen, die zu Beginn über 122 µg/l lagen. Auswertungen von Bevölkerungsdaten finden die niedrigste Sterblichkeit bei 130 bis 150 µg/l — diese beiden Zahlen stehen in einer gewissen Spannung zueinander, und das ist ehrlicher, als sich für eine zu entscheiden. Der Plasmawert misst auch Selen, das unspezifisch in Körpereiweiß eingebaut ist. Selenoprotein P ist der genauere Marker, wird aber selten bestimmt. American Journal of Clinical Nutrition 2010

Wo viel drinsteckt — die Vorschläge zum Nachlegen

Quelle der Gehalte: Nährwerttabellen (Bundeslebensmittelschlüssel, DGE, USDA FoodData Central) (2026)

In den Zeilen, mit denen Mikrolot rechnet

Die Regeln zum Zubereiten

Was daran offen ist

Belege

  1. Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr — Selen
  2. Scientific opinion on the tolerable upper intake level for selenium (2023)
  3. Effects of Long-Term Selenium Supplementation on the Incidence of Type 2 Diabetes: A Randomized Trial (2007)
  4. Optimization of selenoprotein P and other plasma selenium biomarkers for the assessment of the selenium nutritional requirement (2010)
  5. Selenoprotein P as Biomarker of Selenium Status in Clinical Trials with Therapeutic Dosages of Selenite (2020)
  6. Serum selenium concentrations and risk of all-cause and heart disease mortality (2022)
  7. Higher Plasma Selenium Concentrations Are Associated with Increased Odds of Prevalent Type 2 Diabetes
  8. Selenium Supplementation in Patients with Hashimoto Thyroiditis: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Clinical Trials (2024)
  9. Selenium Accumulation, Speciation and Localization in Brazil Nuts (2019)
  10. Selenium — a scoping review for Nordic Nutrition Recommendations 2023 (2023)
  11. Nährwerttabellen (Bundeslebensmittelschlüssel, DGE, USDA FoodData Central) (2026)
  12. Selenium content of Brazil nuts from two geographic locations in Brazil (1995)
  13. Improving the selenium supply of vegans and omnivores with Brazil nut butter compared to a dietary supplement in a randomized controlled trial (2025)
  14. Influence of Various Cooking Methods on Selenium Concentrations in Commonly Consumed Seafood Species (2022)
  15. Selenium in thyroid disorders — essential knowledge for clinicians (2020)

Stand der Recherche: 2026-08-15